Rotavirus-Infektion

Bei der Rotavirus-Infektion handelt es sich um die weltweit häufigste akute BrechDurchfallerkrankung im Kindesalter. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Alter von 6 bis 24 Monaten.
Die Schwere der Erkrankung ist äußerst variabel: sie reicht von leichten Durchfällen bis hin zu schwersten Krankheitsverläufen mit lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust. Infektionen mit Rotaviren zählen in Deutschland zu den meldepflichtigen Erkrankungen, das bedeutet, der behandelnde Arzt ist dazu verpflichtet, bereits den Verdacht auf eine Rotaviruserkrankung namentlich an das Gesundheitsamt weiterzugeben (namentliche Meldepflicht laut Infektionsschutzgesetz).
Eine besondere Bedeutung haben Rotavirus-Infektionen in Entwicklungsländern, da sie dort einen wesentlichen Grund für die hohe Kindersterblichkeit darstellen.
Saisonale Erkrankungshäufungen werden im Winter und im Frühjahr beobachtet, da sich die äußerst widerstandsfähigen Viren bevorzugt im warmen und trockenen Klima geheizter Wohnräume vermehren.
Im Jahre 2006 wurde in Deutschland für Säuglinge eine Schutzimpfung gegen Rotaviren eingeführt. Seit Mitte 2013 hat die STIKO (Ständige Impfkommission) die routinemäßige Rotavirus-Impfung für Säuglinge unter 6 Monaten in Ihre Impfempfehlungen aufgenommen.
Rotavirus-Infektion: Inhaltsverzeichnis
Ursachen Rotavirus-Infektion
Verantwortlich für die Erkankung sind, wie der Name schon sagt, sogenannte Rotaviren. Da verschiedene Typen dieser Viren existieren, kann man sich leider auch mehrfach infizieren.
Die Übertragung des Erregers erfolgt meist durch eine sogenannte Schmierinfektion, auch Kontaktinfektion genannt. Dabei erfolgt die Ansteckung über den Kontakt mit durch Viren verunreinigten Oberflächen, das können gemeinschaftliche Toiletten, aber auch Gegenstände oder die Hände einer anderen Person sein.
Am häufigsten handelt es sich hierbei um eine sogenannte fäkal-orale Schmierinfektion: fäkal, weil die Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden und oral, weil man diese unbemerkt über den Mund in den Organismus aufnimmt. Mit 1 g Stuhl scheidet ein infiziertes Kind bereits Milliarden von Viren aus, 10 dieser Erreger reichen aber bereits für eine Ansteckung aus!
Darüber hinaus kann eine Übertragung auch mittels Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen erfolgen oder aber über die Aufnahme von verschmutztem Wasser oder verunreinigten Lebensmitteln.
Die Ansteckungsfähigkeit beginnt mit dem Auftreten der akuten Brech-Durchfall-symptomatik und dauert solange an, wie die Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden, in der Regel etwa 8 Tage lang, in Einzelfällen aber auch deutlich länger.
Rotaviren sind also hochansteckend, leicht übertragbar und besonders widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen – es ist daher fast unmöglich, einer Infektion zu entgehen.
Symptome und Anzeichen
Von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Krankheitszeichen vergehen nur etwa 1 bis 3 Tage (Inkubationszeit). Der Schweregrad der nachfolgenden Erkrankung ist sehr unterschiedlich, von einer unbemerkten (subklinischen) Infektion über leichte Durchfälle (Diarrhöen) bis hin zu schweren, einen Krankenhausaufenthalt nötig machenden Verläufen.
Die typische Symptomatik aber setzt akut mit schwallartigem Erbrechen und wässrigen Durchfällen ein. Fieber, Bauchschmerzen und Erkältungssymptome wie Schnupfen oder Halsschmerzen können hinzukommen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern verläuft die Rotaviruserkrankung meist schwerer als Durchfallerkrankungen, die durch andere Krankheitskeime verursacht werden.
Da die Symptome in der Regel nach 2 bis 6 Tagen von selbst wieder abklingen, spricht man hier auch von einer selbstlimitierenden Erkrankung.
Diagnose
Eine Rotavirus-Infektion lässt sich auf Grund der Symptomatik schwer von anderen Brech-Durchfallerkrankungen unterscheiden.
Aussagekräftige Blutuntersuchungen zum Nachweis des Erregers existieren nicht, dieser lassen sich aber nach etwa 3 bis 4 Tagen in einer Stuhlprobe nachweisen.
Differentialdiagnose
Als Auslöser einer akuten Brech-Durchfallerkrankung kommen neben Rotaviren noch verschiedenste andere virale und bakterielle Erreger in Betracht, die bei der Diagnosefindung berücksichtigt werden müssen.
Darüber hinaus existieren auch Durchfallerkrankungen, die nicht von einer akuten Infektion herrühren, sondern zur Symptomatik entzündlicher Darmerkrankungen gehören.
Therapie und Behandlung
Eine spezifische medikamentöse Therapie, die sich gegen die Rotaviren direkt richtet (antivirale Therapie) existiert nicht. Diese ist aber auch nicht unbedingt notwendig, da es sich, wie schon oben erwähnt, um eine selbstlimitierende Erkrankung handelt, die also auch ohne therapeutische Maßnahmen nach einigen Tagen wieder verschwindet.
Trotzdem können im Rahmen einer Rotavirus-Infektion gefährliche Komplikationen auftreten. Wie bei allen Brech-Durchfallerkrankungen liegt die größte Gefahr im hohen Flüssigkeits- und Mineralsalzverlust, der gerade bei Säuglingen und Kleinkindern innerhalb von Stunden zu einer lebensbedrohlichen Austrocknung (Dehydratation) führen kann.
Während der akuten Krankheitsphase sollten daher immer wieder kleine Mengen an Flüssigkeit und Mineralsalzen, anfangs nur löffelweise, gegeben werden. Dazu eignen sich stilles Mineralwasser und insbesondere für kleine Kinder sogenannte gebrauchsfertige Elektrolytlösungen, die man in der Apotheke erhält.
Gelingt es nicht, dem Erkrankten ausreichend Flüssigkeit und Mineralien durch Trinken zuzuführen, ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Dort wird der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust über sogenannte intravenöse (durch die Vene) Infusionen ausgeglichen.
Während der Akutphase verspüren die Erkrankten in der Regel kein Hungergefühl. Lassen Erbrechen und Durchfall nach, sollte man auf fettarme, leicht verdauliche Kost achten: Weißbrot, Zwieback, Nudeln, Kartoffeln und Bananen werden meist gut vertragen.
Stillkinder sollten einfach wie gewohnt weiter gestillt werden, eventuell häufiger in kürzeren Zeitabständen und in Kombination mit der löffelweisen Gabe einer Elektrolytlösung.
Impfung
Seit 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission, jeden Säugling ab der 6. Lebenswoche gegen Rotavirus-Infektionen zu impfen. Diese Impfung bietet zwar keinen lebenslangen Schutz vor einer solchen Erkrankung, sie verhindert aber schwere Verläufe mit eventuell lebensbedrohlichen Komplikationen im kritischen Lebensalter zwischen 6 und 24 Monaten.
Bei der Impfung handelt es sich um eine sogenannte Schluckimpfung, das bedeutet, der Impfstoff aus lebenden, vermehrungsfähigen, aber nicht krankmachenden Rotaviren wird über den Mund verabreicht und gelangt so in den Organismus. Dort bildet das körpereigene Abwehrsystem spezifische Abwehrzellen (Antikörper), die im Falle einer Infektion eindringende Viren abfangen und somit eine Erkrankung verhindern können.
Die Impfung unterteilt sich in zwei bzw. drei Impfdosen, je nach verwendetem Impfstoff und sollte spätestens bis zur 12. Lebenswoche begonnen werden.
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Weitere Informationen
Übersicht: Alle Krankheiten von A bis Z
Quellen/Redaktion
Autor:
Medizinisches Review:
Derzeit in Bearbeitung
Quellen:
Robert Koch-Institut: Ratgeber für Ärzte – Rotaviren-Erkrankungen
Dr. Gerd Herold: Innere Medizin 2014
Duale Reihe – Pädiatrie